Nachhaltigkeit – Ein Rückblick

Wer über Europa fliegt, bemerkt als Besonderheit die großen Waldflächen in dem sonst dicht besiedelten Deutschland, während Frankreich, die britischen Inseln, Italien, Spanien, Dalmatien und Griechenland kaum bewaldet sind. Er erfährt dann, dass in Deutschland seit Jahrhunderten das Gesetz der Nachhaltigkeit für die Waldbewirtschaftung gilt.

Im November 1973 waren die deutschen Autobahnen an vier Sonntagen frei vom Autoverkehr. Die erdölproduzierenden Länder hatten ein Kartell, genannt OPEC, gebildet, die Öllieferungen reduziert und die Preise in die Höhe getrieben. Im Vorjahr war bereits der Bericht des Club of Rome „The Limits to Growth“ erschienen und hatte uns darauf aufmerksam gemacht, dass Rohstoffe endlich sind, wir also vorsichtig mit ihnen wirtschaften müssen. Die Nachhaltigkeit unseres Tuns stand plötzlich in Frage. Das Kartell hatte sein Ziel, höhere Preise, schnell erreicht und der vermeintliche Ausweg aus der Ölkrise, die Atomenergie, war schnell gefunden. Trotzdem bestimmte Nachhaltigkeit, fortan unser Denken und Handeln.

Erhard Eppler war in Deutschland der glaubwürdige Politiker, dem Nachhaltigkeit wichtig war. Sein Buch aus dem Jahr 1975 „Ende oder Wende – von der Machbarkeit des Notwendigen“ gibt davon Zeugnis. Die Wirtschaft sollte nicht mehr nur wachsen und Ressourcen verbrauchen, sondern qualitativ wachsen: Lebensqualität!

In den U.S.A. hingegen schien nach dem Schock der ersten Ölkrise wieder die Normalität des unbegrenzten Ressourcenverbrauchs einzukehren. Autos wurden bis zum „Hummer“ immer größer, der Benzinverbrauch stieg und Militärausgaben dienten und dienen im beträchtlichen Maße zur Sicherung der Öllieferungen aus dem Nahen Osten. Nachhaltigkeit war dort kaum gefragt, ja als links und wirtschaftsfeindlich in Verruf.

Zum Problem der endlichen Ressourcen trat vor zwanzig Jahren das Problem der Erderwärmung aufgrund der Verbrennung von fossilen Stoffen und dem Abholzen vor allem der Regenwälder – Rio 1 und Kyoto Protokoll: Nachhaltigkeit auch auf der Wirkungsseite! Die Erde sollte sich nur noch um maximal 2 Grad erwärmen dürfen. Zum Weltstar wurde Clintons Vizepräsident Al Gore, der aber in den U.S.A. eher ein Rufer in der Wüste blieb.

In Deutschland ist mittlerweile das Wirtschaftswachstum vom Energieverbruach abgekoppelt: ein kleiner Sieg der Nachhaltigkeit!

Im Mai 2012 legte die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff ihr Veto gegen ein neues Waldgesetz ein, das die Abholzung des brasilianischen Wälder in größerem Umfang erlaubt hätte: ein wichtiger Sieg der Nachhaltigkeit!

Im Mai 2012 hat sich auch der Club of Rome wiedergetroffen. ein neuer Bericht liegt vor: 2052: A global forecast for the next forty years von Jorgen Randers. Der Bericht zeigt auf, das eine der Hauptursachen für die zukünftigen Probleme darin liegt, das die heutigen politischen und ökonomischen Modelle alle zu kurzfristig ausgelegt sind. Wir brauchen ein System der Governance, daß wesentlich langfristiger ausgerichtet ist. Es ist unwahrscheinlich, das Regierungen den nötigen Druck ausüben können, um Märkte dazu zu zwingen, das Geld in umweltfreundliche Bereiche zu investieren. Es darf nicht davon ausgegangen werden, das Märkte für das Wohlergehen der Menschheit arbeiten werden.

Nachhaltigkeit – was bedeutet das also für uns? Wir sind alle dazu aufgerufen, unser Verhalten zu ändern. Nur dann kann sich wirklich etwas ändern. Am Ende können wir damit auch die Märkte steuern. Wir sollten jetzt damit anfangen!